Lecker Luxemburg

Mehr als Hochfinanz und Politik: Luxemburg kulinarisch

Links vom Eingang leuchten bunte Macarons in himbeerrot, zitronengelb oder minzgrün. Gleich daneben kleine Obst- und Sahnetörtchen. Dann Käse. Kräftiger Roquefort, hauchdünner Tête de Moine oder cremiger Reblochon: Rund 140 Sorten präsentieren sich in den Auslagen. Es folgen Knoblauchwürste aus der Touraine, Ardenner Schinken und hausgemachte Pasteten, dazwischen Crémant oder Trappistenbier vom Kloster Orval. Der Feinkostladen Kaempff-Kohler am Place Guillaume in Luxemburg ist ein wahres Schlaraffenland. Hunderte verschiedene Delikatessen aus ganz Europa können Feinschmecker erwerben - oder im angeschlossenen Restaurant und auf der Terrasse unter Platanen genießen.

Auf ein Produkt in seinen Auslagen ist Guill Kaempff besonders stolz: Die Pâté au Riesling. "Sie ist eine Erfindung meines Großvaters", so der Enkel des Firmengründers. Pierre Kaempff hatte 1927 nach einem Snack für den Stammtisch in seinem Geschäft gesucht - und nach einigem Experimenten die Rieslingpaschteit kreiert: Ein Mürbeteig, gefüllt mit einer Farce aus Kalb und Schwein in einem feinen Riesling-Gelee. Aus dem Getränkeumsatz ankurbelnden, salzigen Gebäck ist eine der bekanntesten Luxemburger Spezialitäten geworden. Anfang 2018 wurde sie mit dem renommierten Food Award des Großherzogtums ausgezeichnet.
Mit seiner prämierten Köstlichkeit ist Kaempff-Kohler beileibe nicht der einzige Gourmettempel in der Luxemburger Oberstadt. Im eleganten Stadtteil mit seinen zahlreichen repräsentativen Gebäuden und Plätzen reihen sich Cafés, Restaurants, Bars und Feinkostläden wie Perlen an einer Schnur: Da wäre der Salon de thé von Léa Linster in der Rue de l'Eau unweit des Großherzoglichen Palasts. Die umtriebige Sterneköchin betreibt hier ein kleines Delikatessengeschäft. Angeboten werden Wein, Gebäck und Marmeladen, aber auch Geschirr mit dem Konterfei der berühmten Luxemburgerin und andere Devotionalien. Und Madeleines. Manche sagen: Die besten, die es gibt. Buttrige Gaumenschmeichler mit einer hauchzarten Kruste und fluffigem Teig.

Oder das Namur. Ein paar Straßen weiter. Die älteste Konditorei des Landes wurde 1863 gegründet und ist seit 1905 Hoflieferant. In den Auslagen des im Stile eines Wiener Kaffeehauses eingerichteten Cafés locken bunte Obst- und Schokotörtchen, Pralines und Bonbons aber auch Extravagantes wie rosa Pumps mit Pfennigabsatz - natürlich aus feinster Schokolade.
Und auch die Brüder Oberweis lohnen ein Besuch: Ihr Feinkostladen in der Grand Rue ist berühmt für seine hausgemachten Kreationen aus der Patisserie, wie Vanille Eclair, ein Brandteig mit feiner Vanillecreme oder Jalousie 3: Dreierlei Mousse von der Schokolade mit knuspriger Haselnuss-Praline.

Neben dem Süßen frönen die Luxemburger noch einer anderen kulinarischen Leidenschaft: Dem Crémant.Kippchen“, so heißt der heimische Schaumwein – wohl weil man ihn sich gerne auch schon am Vormittag „hinter die Binde kippt“. Besonders im EU-Viertel auf dem Kirchberg soll dieses Ritual weit verbreitet sein, wie böse Zungen behaupten. Hergestellt wird der Wein nicht all zu weit vom Dienstsitz der Europäischen Kommission. An den Hängern der nur 50 Kilometer entfernten Mosel.
Dort steht Robert Max gerade im Weinberg und macht sich - mit einem breiten Grinsen im Gesicht - an einem Drahtgestell auf einer Flasche zu schaffen. Mit wiegenden Bewegungen der Daumen drückt er den Korken leicht nach oben und dreht ihn mit der Handfläche ab. "Den müsst ihr probieren", ruft Bob der kleinen Gruppe am Rastplatz zu und füllt die bereitgestellten Flöten. Die lässt sich nicht lange bitten.

Das goldfarbene, perlende Getränk ist ein Crémant Cuvé Max-Lahr et Fils Brut - eines der Premiumprodukte von Bob. Der Winzer aus Ahn stellt elf verschiedene Weine und drei Crémant her – im umweltschonenden Anbau mit natürlicher Begrünung der Weinberge. Einige von Ihnen kann man zu Pfingsten auf einer geführten Wanderung durch den Wingert verkosten. „Man bekommt einen anderen Bezug zum Wein, wenn man ihn dort trinkt, wo er wächst“, ist der 51-Jährige sicher. Gerne führt er deshalb seine Gäste auf einer drei Kilometer langen Wanderung entlang des Wein- und Naturpfads Palmberg durch die Rebhänge. Fünf mal wird halt gemacht. Wein und Crémant ausgeschenkt. Und kleine, regionale Weinbegleiter serviert: Berdorfer Käse, Mettwürste, Pasteten.
Dabei erfahren die Teilnehmer vieles über die Besonderheiten des Luxemburger Weinanbaus. Dessen goldene Zeit war zum Ende des 19.Jahrhundert. Damals trat das Herzogtum dem deutschen Zollverein bei. Der Export ins Deutsche Reich florierte, zumal der Schaumwein vom Erbfeind Frankreich nicht gut angesehen war. „Vor allem Elbling verkaufte der Urgroßvater gleich fassweise an die Deutschen – zur Versektung“, so der Winzer in siebter Generation. Ahn wandelte sich vom Bauern- zum Winzerdorf. Wohlstand machte sich bereit. Die wuchtige Gründerzeit-Architektur zeugt heute noch davon.

Neben dem Elbling ist es der Riesling, der am Palmberg besonders gut gedeiht. „Das liegt an der einzigartigen Lage“, weiß Bob. Der Hügel, der sich 100 Meter oberhalb des Dorfes steil in die Höhe hebt, ist der wärmste Ort des Landes. Und die regenärmste. „Die Steillage lässt mehr Sonnenstrahlen auf den Quadratmeter fallen“. Mehr Sonne, höhere Öchslegrade, besser Wein, so die Gleichung des Fachmanns. Wärme speichernder Muschelkalk, südöstliche Hangausrichtung und Windschutz durch die Gehölze oberhalb des Hanges - einige der Buchsbäume sind mehr als 300 Jahre alt - sorgen zudem für ein fast mediterranes Klima. Auch Flora und Fauna ist außergewöhnlich. In den Trockenmauern, die dem Hang Halt geben, verstecken sich Mauereidechsen vor den Glattnattern. Für rund 20 Fledermausarten ist der Palmberg Jagdrevier und Winterquartier. Und im Sommer hört man in der Hitze die Bergzikade zirpen. Der dem Berg seinen Namen gebende Buchsbaum (Luxemburgisch: Pällem) wächst im Herzogtum wild nur hier und auch viele der Orchideenarten – den Stendelwurz, das große Zweiblatt oder das Helm-Knabenkraut – sucht man anderswo vergeblich.


„Dieses Biotop schafft charakterstarke Weine“, findet Bob, „die man ganz klar unterscheiden kann“. Zum Beweis gibt es an der letzten Station den Riesling Palmberg. Die Gruppe steht erwartungsvoll inmitten der Reben. Wärmende Frühjahrsonne. Ein Blick ins Tal auf Mosel, Dorf und Weinberge. Der Wein macht die Runde. „Exotische Fruchtnoten. Ausgesprochene Mineralität. Kaum Restzucker“, doziert Bob. Und hat noch eine kleine Überraschung. „Nach fünf Gläsern Wein braucht es jetzt dringend etwas Kräftiges“, findet er. „Muss aber mit dem Wein harmonieren“. Und da gebe es in Luxemburg ein wahrhaft ausgezeichnetes Produkt. Er reicht einem jeden einen kleinen Teller mit lecker gefülltem Blätterteig. Es ist Kaempff-Kohlers Rieslingpaschteit.